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10 Jahre Wasserhaus: „Das ist der Hort meiner Jugend“ PDF Drucken E-Mail

Die Musikinitiative Hammelburg e. V. feierte am Samstag nicht nur eine Dekade im neuen Domizil, sondern auch die musikalische Vielfalt in der Region
Nicht nur das Wasserhaus, auch „My New Zoo“ haben sich weiterentwickelt. Jüngste Neuerung: Das kommende Album ist komplett auf Deutsch. (Foto: Musikini)

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Zum runden Jubiläum des Wasserhauses hatte die Musikini ein Programm zusammengestellt, wie es wohl nicht besser zum Vereinszweck passen könnte. Spannende Mixturen sind auf der Bühne des kleinen Clubs seit jeher Programm. Neben den hauseigenen „Illustrators“ hatten sich die ehrenamtlichen Organisatoren deshalb nun ihre langjährigen Freunde „My New Zoo“ aus Nürnberg sowie die Wasserhaus-Debütanten „Hazel The Nut“ aus Würzburg eingeladen. Als besonderes Bonbon sorgte das Wasserhaus-Urgestein DJ „nix disco“ für eine lange Partynacht.

 

Das zehnjährige Jubiläum sprach nicht nur ein buntes Publikum, sondern vor allem unterschiedliche musikalische Geschmäcker an. (Foto: Musikini)

 

Viele wunderbare Erinnerungen, fröhliche Runden und dazu noch mehr gute Musik – dieses Bild bot sich den Wasserhaus-Gästen am vergangenen Samstagabend. Mit einer ansehnlichen Zuschauerschar konnten die Musikini-Verantwortlichen nun auf zehn Jahre in ihrem liebevoll gehegten Haus vor den Toren der Stadt zurückblicken. Viel hatten diese „heiligen Hallen“ schon gesehen: Größen wie „Jupiter Jones“ standen noch vor ihrem nationalen Durchbruch auf der Hammelburger Bühne. Der Gemündener Andreas Kümmert, der vor noch nicht allzu langer Zeit mit Hilfe eines bekannten TV-Formats für deutschlandweites Aufsehen sorgte, war bereits mehrmals zu Gast. Echo-Preisträger Mellow Mark ist dem Haus innig verbunden. Der umtriebige Singer-Songwriter Spacemann Spiff alias Hannes Wittmer ist ein Vollblutmusiker-Gewächs, dessen erste zarten Sprossen vor vielen Jahren im Wasserhaus zu keimen begannen. Und sogar Gäste aus Israel in Form der Band „Eatlitz“ haben die Hammelburger bereits begrüßen dürfen. Die Liste ist lang und ließe sich wahrscheinlich noch seitenweise fortsetzen.

 

 

„Hazel The Nut“ haben dem Wasserhaus ihr 2013 erschienenes Album „Welcome To Hazeltown“ mitgebracht. (Foto: Musikini)

 

 

„Durch das Wasserhaus bin ich zur Musik gekommen.“

Mittlerweile ist die nächste Musiker-Generation in die Probenräume eingezogen. Auch die „Illustrators“, die derzeit mit ihrem „Vertretungs“-Drummer Christoph Stapper unterwegs sind, gehören dazu. „Ich bin schon zehn Jahre dabei“, erinnert sich Maximilian Fuß. Für den jungen Mann war die damalige Eröffnungsfeier sein persönlicher Startschuss. Das Wasserhaus hat er also „von Grund auf“ miterlebt. „Dieser Ort war so etwas wie der Hort meiner Jugend.“ Auch Lukas Fuß ist dem Wasserhaus bereits seit rund acht Jahren verbunden. Musikini-Kult-Bands wie die „Taschenrocker“ und „Gung Fu“ hat er noch in sehr guter Erinnerung. Seine Jugend, da pflichtet er seinem Bandkollegen bei, habe dieser Ort besonders geprägt. „Durch das Wasserhaus bin ich zur Musik gekommen. Es ist ein Ort, der mich auch jetzt öfter noch heim bringt“, so der Student.

 

 

„Wir wünschen uns noch mindestens zehn weitere Jahre Musik und Spaß in Hammelburg“, so die „Illustrators“ zum runden Geburtstag. (Foto: Musikini)

 

 

Institutionen wie das Wasserhaus und die Musikini halten die beiden Kreativen nach wie vor für äußerst wichtig. Es gelte, der elektronischen Musik „Paroli“ zu bieten und musikalische Aktivitäten gerade in ländlichen Gegenden wie Hammelburg weiterhin zu fördern – auch, wenn es als ehrenamtlich geführte und vor allem nicht-kommerzielle Einrichtung manchmal schwierig sei. Der Verein und sein Domizil sind für sie definitiv wie ein „Fels in der Brandung“. „Es gibt viele Bands und viele, die das wollen“, sind sich die beiden einig. Wichtig sei es, auch künftig, „die Jugend abzuholen“. Die Musikini sei kein geschlossener Kreis. Ihr Appell an junge Bands und Menschen, die daran teilhaben und Einblicke gewinnen wollen, fällt entsprechend aus: Kommt vorbei, bündelt euch hier! Die Infrastruktur sei da, man müsse sie nur nutzen. In Zukunft wünschen sie sich deshalb nicht nur viele weitere „Knaller-Bands“ auf der Wasserhaus-Bühne, sondern auch den ein oder anderen Workshop. Bei den „Illustrators“ selbst geht es jedenfalls voran: Die Fans können sich ab sofort über Merchandise freuen. Im Frühjahr ist obendrein eine kleine Deutschland-Tour geplant.

 

 

Das Quartett entwickelt sich mit Riesenschritten. Erst am Wochenende zuvor konnten die „Illustrators“ vor rund 200 Gästen in Neustadt überzeugen. (Foto: Musikini)

 

 

„Wer Interesse hat, kann sich hier verwirklichen“

Gedanken zum Zehnjährigen machte sich natürlich auch Martin Haun alias Wasserhaus-DJ „nix disco“. Den Ingenieur hat es beruflich inzwischen in den Süden Deutschlands verschlagen. Er ist seit dem ersten „Tanz in den Mai“ des Wasserhauses aktiv. Damals, kurz nach dem Abitur, sei das „ganz aufregend“ gewesen. Endlich, so erinnert er sich zurück, habe es ein völlig anderes Angebot zu den sonst üblichen Partys in den einzelnen Ortschaften gegeben. „Wer Interesse hat, kann sich hier verwirklichen“, ist er nach wie vor überzeugt. Die Möglichkeiten seien vielfältig: musikalisch, organisatorisch, gastronomisch, technisch. Das Wasserhaus, das wird im Gespräch mit ihm schnell deutlich, ist eine gute Schule, um eigene Talente auszutesten. „Die Erfahrungen, die man im Verein gewinnt, kann man sehr gut nutzen.“ Auch er selbst, habe das in seinem jetzigen Beruf bereits festgestellt. Für die nächste Dekade wünscht er dem Wasserhaus, dass seine Mannschaft am „Zeitgeist“ bleibt und keine Genres ausschließt.

 

„Das Wasserhaus und My New Zoo verbindet eine gemeinsame Geschichte“

Erinnerungen an vergangene Gigs bei der Musikini und obendrein ein musikalisches Geschenk hatten die Mittelfranken von „My New Zoo“ am Samstagabend im Gepäck. Bereits seit sechs Jahren kennt die Band Teile der Musikini-Crew. „Das Wasserhaus und My New Zoo verbindet eine gemeinsame Geschichte“, schmunzelt Sänger Danijel Bubic. Unvergessen sind Auftritte, die etwa unter „erschwerten Bedingungen“ in einer kühnen Zwei-Mann-Besetzung absolviert wurden. Nun hat das Quartett neuen Stoff mitgebracht und stellte dem Hammelburg Publikum live Auszüge aus dem im Februar erscheinenden neuen Album vor.

 

 

„My New Zoo“ sind in Hammelburg immer wieder für eine Überraschung gut. Diesmal gab es den gewohnten Sound mit vielen deutschen Texten. (Foto: Musikini)

 

 

Auf Institutionen wie das Wasserhaus und die Musikini zu verzichten, erscheint den erfahrenen Musikern unvorstellbar. „Es gibt sonst keine Einstiegsmöglichkeiten mehr für eine ganz normale Band, ganz gleich, ob jung oder schon etwas älter“, so Bubic. Gäbe es solche Häuser in Deutschland nicht, läge diese Hürde sofort bei Häusern mit 15, 20 oder mehr Euro Eintritt. Die Bühnen, auf denen man dann auftreten könnte, wären dünn gesät. Entsprechend sei es nach Ansicht der Truppe nach auch wichtig, Trends bzw. Strömungen nicht an sich vorbeiziehen zu lassen, sondern „mitzunehmen“. Auch auf diesem Wege würden neue Leute die Location für sich entdecken. „Wir wünschen Euch, dass Eure Gemeinde die Augen aufmacht und sieht, was hier auf freiwilliger Basis geschultert wird. Disco ist schön und gut, aber sie ist kein Ort zum Kommunizieren.“

 

 

Getanzt und gefeiert wurde am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden. Gerne hätten es die Verantwortlichen gesehen, wenn sich ein paar mehr Gäste eingefunden hätten. (Foto: Musikini)

 

 

„Wichtig ist, dass einen die Leute hören“

Zu guter Letzt fanden sich „Hazel The Nut“ in die Reihe der Geburtstagsgäste ein. Zwar gaben sie anlässlich des Jubiläums ihr erstes Surf-Punk-Konzert im Wasserhaus. Neulinge auf dem musikalischen Parkett ist die 2012 gegründete Formation allerdings nicht. Bereits vor dem Zusammenschluss waren die Mitglieder in Sachen Musik aktiv und feiern nächstes Jahr ebenfalls ihr Zehnjähriges. „Wichtig ist, dass einen die Leute hören“, sind sie sich sicher. Im Fall von „Hazel The Nut“ funktioniert das auch ziemlich gut. Die jungen „WüRG“-Mitglieder ziehen ein Generationen übergreifendes Publikum an. Sie schätzen an Institutionen wie dem Wasserhaus vor allem die Möglichkeit des Austausches und der gegenseitigen Unterstützung – etwa bei Auftritten. Sie selbst würden von solchen Effekten innerhalb der Würzburger Rockgemeinschaft e.V. ebenfalls profitieren. Ihrer Ansicht nach müssten die Vereine in Zukunft noch früher ansetzen, Kinder zum spielen eines Instruments animieren, mit Schulen zusammenarbeiten oder zum Beispiel auch Bandtage organisieren, um sich vorzustellen.

 

 

„Hazel The Nut“ fühlten sich bei ihrem Wasserhaus-Debüt sichtlich wohl. (Foto: Musikini)

 

 

Die Musikini selbst empfiehlt sich bereits am 12. Dezember mit der Winter-Rock-Tanzparty des „Kulturbunt e.V.“. Am 20. Dezember steht dann bereits „Doomsday's Eve – Die Weihnachtsrevue Part III“ an.

 

Text: Nicole Oppelt

 
 

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