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Die perfekte Symbiose PDF Drucken E-Mail
Die Musikinitiative Hammelburg e.V. wagte sich zum „Tanz in den Mai“ auf neues Terrain

Arnold+Sukroso (Foto: Musikini)

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Mit dem ungewöhnlichen Duo „Arnold+Sukroso“ setzte die Musikini in diesem Jahr einen neuen Akzent. Die beiden in Berlin lebenden Musiker boten mit ihrer eigens kreierten Verbindung aus klassischen Instrumenten und moderner Elektronik eine einmalige Bühnenshow. Das Konzept ging auf: Das sehr gut besuchte Wasserhaus wurde von vielen jungen Gästen bevölkert. Nicht wenige kamen zum ersten Mal.

 


Ausgelassene Stimmung im Wasserhaus: Die Gästeschar tanzte bis in den frühen Freitagmorgen. (Foto: Musikini)

 

Dass zwei Mann klingen können wie eine ganze Band, das ist den regelmäßigen Wasserhaus-Besuchern nicht neu. Nur allzu gerne erinnern sie sich etwa an die skurrile wie außergewöhnliche Performance der Nürnberger Band „My New Zoo“, die den „Tanz in den Mai 2010“ als Duo-Version ordentlich aufmischte. Danijel Bubic und Robert Zovko rückten damals mit Schlagzeug und Gitarre an. Die Vollblutmusiker kompensierten den krankheitsbedingten Ausfall ihrer beiden Bandkollegen mit Bravour und zeigten, wie „multitasking“ sie tatsächlich sind. Auch Robin Sukroso und Sebastian Arnold kamen lediglich mit Gitarre und Schlagzeug und setzten dem Ganzen nun noch die elektronische Krone auf.

 

Kennenlernen über YouTube

 

Vorneweg: Die Konstellation „Arnold+Sukroso“ wurde nicht, wie im Falle der Mittelfranken, aus der Not heraus geboren. Seit gut eineinhalb Jahren sind die beiden Solokünstler bereits gemeinsam unterwegs. „Wir haben uns über YouTube kennen gelernt“, erinnert sich Robin Sukroso zurück. Damals sei er noch in Australien unterwegs gewesen und habe an seiner „Acpad“-Gitarre gebaut. Die Eingabe der richtigen Schlagwörter führte ihn dann direkt zu Schlagzeuger Sebastian, der damals ebenfalls die Idee hatte, alleine aufzutreten.

 


Sebastian Arnold (Foto: Musikini)

 

Als sich die beiden Elektronik-Freunde dann wenig später auf einem Festival persönlich gegenüber standen, war klar: Das könnte spannend werden. „Wir hatten beide das Gefühl, dass es auf jeden Fall kollidieren wird“, erzählt Sebastian. Beide seien in ihrer Musik, in „ihrem Kosmos“ aufgegangen. Beim gemeinsamen Jammen sei dann die Idee entstanden, eine gemeinsame EP zu machen. Der logische Schluss: Ein Video musste her. Die nächsten Schritte, die dann folgten, waren quasi vorprogrammiert. „Wir haben Wochen gebraucht, um uns miteinander zu verkabeln und zu programmieren, nur, damit wir Musik machen konnten“, fasst Robin die Anstrengungen bis zum ersten Live-Gig zusammen. Jeder für sich hatte sein eigenes System entwickelt, wie das akustische Instrument mit der Elektronik verschmilzt. Doch jetzt galt es, ein gemeinsames Gefüge zu finden, dass auch wirklich funktioniert.

 


Robin Sukroso (Foto: Musikini)

 

Binnen weniger Auftritte sei aus den eigenständigen Künstlern eine Einheit geworden, erinnern sie sich. „Mittlerweile spielen wir das gesamte Konzert zusammen. Jeder hat aber gute zehn bis 15 Minuten für sich alleine“, erläutert Sebastian das Konzept. Die Idee, dass jeder von ihnen ganz verschiedene Rollen erfüllt, kam auch in Hammelburg sehr gut an. Fasziniert verfolgte das Publikum, wie das Duo sich quasi für jeden Song neu absprach und damit neu erfand. Intuitiv einigten sie sich, wer welchen Part übernimmt: Wer spielt Melodie, wer Bass, wer ist für den Rhythmus zuständig. Man merkte, diese beiden ergänzen sich wunderbar und schaffen aus ihrer jeweils eigenen Lust auf Innovation eine geradezu perfekte Symbiose, die den Solokünstlern noch mehr Raum für Experimente gibt.

 

„Nichts langweilt uns mehr, als die pure Sicherheit.“

 

Doch auch, wenn sich bei dem ein oder anderen Zuschauer zunächst der Eindruck aufgedrängt hat, abhängig sind „Arnold+Sukroso“ von ihren Computern nicht. Beide haben ihre Instrumente von der Pike auf gelernt. „Wir sind nach wie vor Musiker und keine Dienstleister“, betont Sebastian. Natürlich könne beim Auftritt etwas passieren und das tut es auch. Computer-Abstürze oder Stromausfälle könnten ihnen aber nichts anhaben. „Mit unseren akustischen Instrumenten können wir das Ruder wieder an uns reißen.“ In solchen Momenten zeige sich auch der Anspruch, der ohnehin bei allem, was sie tun, herrsche: Jeder einzelne Ton muss wirklich gespielt werden. Es ist alles live. „Das ist ein ganz bewusster Drahtseilakt“, so Sebastian abschließend. „Wir stürzen uns da hinein, weil es uns Spaß macht, mit diesem ganzen System zu spielen. Ich glaube, nichts langweilt uns mehr, als die pure Sicherheit.“

 


„Arnold+Sukroso“ haben Spaß am Experiment: Technisch sind den beiden Musikern keine Grenzen gesetzt. Instrumente werden selbst gebaut und Programme selbst geschrieben. (Foto: Musikini)

 

Sich jenseits des Herkömmlichen und abseits aller Standards zu bewegen, das ist ihre Passion. Sie kommen aus dem Heavy Metal, Jazz, Funk und Blues – doch heute möchten sie lieber viele Komponenten gleichzeitig abdecken. Sie bauen ihre Instrumente selbst und programmieren per Hand. Das, was dabei heraus kommt, ist in dieser Art sehr selten, wenn nicht sogar einzigartig. Und vor allem trotz Computer sehr menschlich. „Wir merken, dass von Auftritt zu Auftritt die Ideen wachsen“, sagt Robin. „Da ist etwas entstanden, was wir so nicht geplant hatten. Wir haben viele Ideen und arbeiten an neuem Material“, ergänzt Sebastian. „Interessant ist, dass unsere Ideen, bei all der Fülle an Möglichkeiten, nun aber immer mit Reduktion zu tun haben.“

 

Elektronik-Fans zeigten sich begeistert vom Angebot

 

Ihre Fans dürfen daher gespannt sein, mit welchen Sounds Robin Sukroso und Sebastian Arnold, ob allein oder zu zweit, als nächstes überraschen. Denn beide wollen auch als Solokünstler vorankommen. Zudem werde sich auch die mittlerweile bekannte „Acpad“-Gitarre weiterentwickeln. Dass sie seit vergangenen Donnerstagabend einige neue Anhänger hinzugewonnen haben dürften, liegt auf der Hand.

 

DJ „funkvision“ überraschte das Publikum

 

Das Wasserhaus wurde diesmal von vielen jungen Leuten bevölkert, die das Gebäude sonst eher nicht ansteuern. Die Elektronik-Fans zeigten sich begeistert vom Angebot und den Möglichkeiten des Anwesens. Gefallen fanden sie nicht nur am Berliner Duo, sondern auch an DJ „funkvision“. Dieser war zum ersten Mal im Wasserhaus zu Gast. Mit seiner Musikauswahl traf er in dieser Nacht jedoch voll ins Schwarze. Selbst Wasserhaus-DJ „nix disco“, der in den vergangenen Jahren den 'Tanz in den Mai' bestritt, zeigte sich begeistert vom Gespür des jungen Mannes. „Der weiß ganz genau, was er tut“, so sein Urteil. Entsprechend feierte auch die bunte Schar bis in die frühen Morgenstunden.

 


„dj funkvision“ aus Bad Kissingen gab sein Wasserhaus-Debüt und traf sofort den Nerv des Publikums. Bis in die frühen Morgenstunden versorgte er die Wasserhaus-Gäste mit tanzbarer Musik satt. (Foto: Musikini)

 

Für die Organisatoren stand fest: Das Ziel, frischen Wind in die eigenen Hallen zu bringen, wurde absolut erreicht. „Wir freuen uns, dass wir mit DJ funkvision, Robin Sukroso und Sebastian Arnold die Musikini neuen Gästen näher bringen konnten“, zieht die Vorstandschaft am Ende einer langen Nacht Bilanz. „Jetzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen!“ Eines mit „Arnold+Sukroso“ steht bereits in Kürze an. Beide sind am 13. Juni bei „... und ab geht die Lutzi“ in der E-Box zu sehen.

 

Text: Nicole Oppelt

 
 

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